Unternehmerreisen als Standortförderung

Die Presse über Medical Equipment GmbH

Westdeutsche Zeitung, 20.04.2005
„Unternehmerreisen als Standortförderung“
Beim Tag der Wirtschaft am 3. Mai soll sich die Leistungskraft der Wirtschaft im Kreis zeigen.

Rhein-Kreis Neuss. Der Neusser Unternehmer Jochen Spicker hat die Vision von einer Tochter mit dem Namen „Medical Equipment Kaluga“. Die Chancen, dass die Vision realisiert werden kann, stehen nicht schlecht. „Ich möchte gerne zentral einen medizintechnischen Service in der Region Kaluga aufbauen und bin mit diesem Vorschlag auf sehr viel Interesse gestoßen“, berichtet der Geschäftsführer der Medical Equipment Jochen Spicker GmbH.

Am Wochenende ist der Mittelständler von einer mehrtägigen Unternehmerreise zurückgekehrt, zu der der Rhein-Kreis Neuss in Zusammenarbeit mit dem Bundeswirtschaftsministerium in die russische Region Kaluga geladen hatte. Spicker konnte dabei seine Idee und die Rahmenbedingungen für eine mögliche Umsetzung mit dem stellvertretenden Gouverneur, dem Gesundheitsminister, in mehreren individuellen Kontaktgesprächen mit weiteren Entscheidungsträgern sowie bei der Besichtigung von zwei Krankenhäusern konkretisieren. „Es geht beispielsweise darum, wie russische Ingenieure für ein solches Servicecenter von uns am Standort Neuss und bei unseren Partnerunternehmen geschult werden können.“ Der wirtschaftliche Erfolg, den sich der Geschäftsführer des Unternehmens für Medizin- und Reha-Technik erhofft: Aus den Umsätzen Gewinne generieren, damit Arbeitsplätze in Kaluga und in Neuss sichern oder aufbauen und einen Eintritt in den russischen Markt bekommen.

Dass das so funktionieren kann und alles andere als kurzfristige Geschäftsidee ist, kann Rolf Schmolz, auch ein Teilnehmer der Unternehmerreise, nur bestätigen. „Gerade für Firmen, die bislang wenig Vertriebswege oder Akquise im Ausland haben, können auf solchen Reisen die ersten tragenden Verbindungen und Partnerschaften anbahnen“, sagt der geschäftsführende Gesellschafter der Schmolz-Unternehmensgruppe aus Düsseldorf, die seit elf Jahren auf dem russischen Markt aktiv ist.

Für den Wirtschaftförderer des Rhein-Kreises Neuss, Jürgen Steinmetz, der die Reisegruppe mit Landrat Dieter Patt anführte, ist die Außenwirtschaft eines der Themen, in der er einen Standortvorteil des Rhein-Kreises sieht: „Ziel ist es, gute Angebote an mittelständische Unternehmen zu unterbreiten, damit der Markteintritt im Ausland gelingen kann.“ Oftmals sind es die entsprechenden Ansprechpartner, die genaue Kenntnisse über Rahmenbedingungen und juristische Voraussetzungen, die die Unternehmen bei der Kreis-Wirtschaftsförderung für ein mögliches Auslandsinvestment anfragen können.

Die Außenwirtschaft beim Rhein-Kreis ist neben den Bereichen Existenzgründung sowie Dienstleistungen und Angebote innerhalb des mittelständischen Netzwerks, mit der sich die Wirtschaftsförderung am 3. Mai im Düsseldorfer Congress Centrum präsentieren wird. „Vertrauen in den Mittelstand“ ist die vom Bundesverband mittelständische Wirtschaft (BVMW) organisierte Veranstaltung unter der Schirmherrschaft von Ministerpräsident Peer Steinbrück überschrieben. Über 100 Aussteller werden dabei den erwarteten rund 5000 Besuchern die Leistungsfähigkeit des unternehmerischen Mittelstands in Nordrhein-Westfalen vorstellen.

Eine Veranstaltung, die wie gemacht ist für den Rhein-Kreis. Schließlich sind 99,6 Prozent der hier ansässigen Unternehmen Mittelstandsunternehmen und damit sowohl der größte Arbeitgeber als auch der größte Ausbilder. „Landesweit genießt der Rhein-Kreis einen guten Ruf“, sagt Kurt-Herbert Derichs, Leiter des Kreisverbandes Neuss im BVMW, und nennt die schnellen Reaktionszeiten und Serviceversprechen, etwa bei Genehmigungsverfahren, als Beispiel.

Auch zahlreiche Unternehmen aus dem Kreis werden selbst an dem Tag teilnehmen. Natürlich geht es ihnen in erster Linie um Kundenpflege und die Neukundengewinnung. Aber es geht auch um „die generelle Lobbybildung und Networking für den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft“, sagt Holger Rost, Geschäftsführer des Leasing Dienstleisters Athlon Car Lease aus Meerbusch. Erfahrungsaustausch und der Blick über den eigenen Tellerrand, das sind die Aspekte, die laut Qualitätsmanager Siegfried Michaelis vom SSG Stötzer Sicherheitsservice aus Grevenbroich entscheidend sind. Dabei wird sich das erst seit acht Jahren bestehende Unternehmen nicht nur mit einem eigenen Workshop in Düsseldorf präsentieren, „sondern auch in verschiedene Arbeitsgruppen hineinschauen, um beispielsweise zu erfahren, wie in anderen Branchen das Geschäftsmanagement gehandhabt wird“, so Michaelis. (Constantin Graf Hoensbroech)